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BHV (Berufsverband der Hundeerzieher/innen und Verhaltensberater/innen e.V.)
Fragwürdige Tipps in Sendung „Die Hundeflüsterin“: ZDF riskiert das Wohl von Kindern
Hundetrainer-Verbände fordern Sender zum sofortigen Stopp der Reihe auf

Berlin, 13. Juni 2013 - Die unter Fachleuten umstrittene ZDF-Sendung „Die Hundeflüsterin“ ruft nach dem Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater e.V. (BHV) weitere Organisationen auf den Plan. Sowohl die Interessengemeinschaft unabhängiger Hundeschulen e.V. als auch der Internationale Berufsverband der Hundetrainer/innen (IBH) e.V. haben das ZDF aufgefordert, das Format unverzüglich aus dem Programm zu nehmen. Die in der Sendung vermittelten Tipps im Umgang mit Hunden könnten zu gefährlichen Situationen zwischen Mensch und Hund führen. „Die jüngst ausgestrahlte Folge bereitet uns besondere Sorgen“, sagt Rainer Schröder, der BHV-Vorsitzende. Darin gibt „Die Hundeflüsterin“ Kindern Spielregeln im Umgang mit Hunden vor. „Werden diese Hinweise umgesetzt, sind Beißvorfälle nicht auszuschließen“, warnt Rainer Schröder.

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Sowohl BHV als auch IG Hundeschulen und der IBH haben sich die bisher ausgestrahlten Folgen von „Die Hundeflüsterin“ genau angeschaut. Nachdem bereits kürzlich Szenen gesendet wurden, in denen verhaltensauffällige Hunde körpersprachlich von der Hundepsychologin Maja N. bedroht wurden, gibt die Hauptdarstellerin in einer weiteren Folge Kindern Tipps im Umgang mit Hunden. Unter anderem wird vermittelt, dass Kinder gegenüber Hunden dominant sein sollten – etwa dann, wenn ein Hund ein Kind anspringt. „Es ist mehr als verantwortungslos, Kindern zu erklären, sie müssen keine Angst haben, wenn sie ein kleiner Hund anspringt“, sagt Elke Müller, die Vorsitzende der IG Hundeschulen. Dieses Verhalten entstehe dadurch, dass erwachsene Personen es fördern, behauptet Maja N. Hier fehlt eindeutig die Erklärung, dass weder große noch kleine Hunde Personen anspringen sollten. Auch der IBH teilt diese Ansicht: „Die Demonstration und Ratschläge, wie Grundschulkinder einen Hund ,zur Ruhe‘ bringen oder vom Anspringen abhalten können, sind gefährlich und verantwortungslos“, sagt IBH-Pressesprecherin Mirjam Aulbach. In dem in Rede stehenden Fernsehbeitrag zeige der Hund auf die körpersprachliche und verbale Einwirkung hin Angst, werde gehemmt und weiche aus. „Andere Hunde reagieren auf eine solche Bedrohung mit defensiver Aggression“, sagt Mirjam Aulbach. Mit anderen Worten: Der Hund könnte sich beißend gegen die Verunsicherung wehren.

Die Saarbrücker Tierärztin und Verhaltensexpertin Esther Würtz sagt, dass es nicht Ziel sein kann, Kindern im Umgang mit Hunden beizubringen, die Vierbeiner einzuschüchtern. „Nicht jeder Hund lässt sich das gefallen“, warnt BHV-Mitglied Würtz. „Kind und Hund sollten gleichermaßen angeleitet werden, sozial angemessen miteinander zu kommunizieren, nur so können wirkliche Beziehungen entstehen.“ Dem Hund angemessenes Verhalten beizubringen, sollte Aufgabe der Eltern bleiben. Hier haben sich moderne Trainingsansätze bewährt, welche ohne Schreck- oder Strafmaßnahmen auskommen.

Rainer Schröder vom BHV sieht das ZDF in der Verantwortung: „Leider verzeichnen wir immer wieder Unfälle mit Kindern, die von Hunden angegriffen werden. Die in der ZDF-Sendung vermittelten, fragwürdigen Tipps einer selbsternannten Hundepsychologin provozieren derartige Situationen.“ Die umstrittene Sendereihe zeige deutlich, dass eine öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt ihrer Verantwortung nicht gerecht werde. „Im Gegenteil, sie unterstützt die Vermittlung von falschen Informationen im Umgang mit Hunden, was wiederum zu gefährlichen und bedrohlichen Situationen führen kann.“

Die Gesellschaft für Tierverhaltensmedizin und -therapie (GTVMT) fordert sogar die Behörden zum Handeln auf. „Wenn eine sogenannte Hundeflüsterin in völliger Unkenntnis über Präventionsarbeit Kinder in Gefahr bringt, indem sie mit ihnen in der Schule übt, sie sollen fremde Hunde mit Drohgesten „zur Räson bringen“, dann sind wir an einem Punkt, wo die Schulbehörden eingeschaltet werden müssen“, sagt Dr. Hildegard Jung vom GTVMT-Vorstand. Seriöse Präventionsarbeit wie das wissenschaftlich evaluierte Programm „Der Blaue Hund“ der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (www.dvg.de) – insbesondere bei Kindern – beruhe immer auf Deeskalation und Meideverhalten, nie auf Konfrontation oder gar Provokation.

„Um Verhaltensproblemen wie jenen, in ‚Die Hundeflüsterin‘ zu begegnen, steht eine Vielzahl an alternativen Strategien zur Verfügung, die das Tier wenig bis gar nicht belasten und dem ethischen Tierschutz sowie der Anerkennung der tierlichen Würde Rechnung tragen“, sagt Judith Böhnke vom Verband der Tierpsychologen und Tiertrainer e. V. (VdTT). „Aus unserer Sicht wären es eben diese Strategien, die ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender ausstrahlen sollte.“ Denn Strategien, die tierschonende, zielführende Methoden und Verhaltensanpassungen beim Tier zeigen, führen nicht nur zu einem besseren Verstehen zwischen Mensch und Hund. Sie tragen damit letztlich auch zu mehr und zu echter Sicherheit im Umgang und im Zusammenleben von Menschen und Hunden bei.

"Ein öffentlich-rechtlicher Sender sollte bei seiner gründlichen Recherche entdeckt haben, dass die angewandten Methoden überholt sind", sagt Bibi Degn von der TTouch-Gilde. Tieren muss wie dem Menschen eine körperliche, seelische und geistige Unversehrtheit bei allen Trainingsmaßnahmen zugestanden werden. Erwiesenermaßen entstehen die nachhaltigsten Lernergebnisse durch positive Reize in einer als sicher empfundenen Umgebung, bei Mensch und Tier. Alternativen für eine Sendung wären z.B. ein Beitrag über das weltweit anerkannte Clickertraining oder die Anwendung der Tellington Methode. Beides sind fortschrittliche Methoden, die weltweit praktiziert und auf neuesten Forschungsergebnissen der Lerntheorie beruhen, erklärt Degn weiter.

"Die angeratenen Verhaltensvorschläge zeugen von einer unglaublichen Ignoranz der allgemeinen Fakten im Umgang mit Hunden und jedwedem Fehlen von wissenschaftlichem Hintergrundwissen. Es ist nur, von Herzen, zu hoffen, dass es keine Nachahmer geben wird", sagt Konstanze Denzin vom BHV. "Während in Deutschland immer mehr Hunde auf den sogenannten „Rasselisten“ erscheinen, sollte der Gesetzgeber solche Umgangsvorschläge dringend verbieten."

Pressekontakt/ weitere Informationen:

Medienbüro Gäding
Ansprechpartner: Marcel Gäding
Josef-Orlopp-Straße 54 | 10365 Berlin
Tel. 030 55494360 | Mobil 0160 97688800
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Internet: www.medienbuero-gaeding.de

Über die Verbände:
Der Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater e.V. (BHV), die Interessengemeinschaft unabhängiger Hundeschulen e.V. (IG Hundeschulen), der Internationale Berufsverband der Hundetrainer/innen (IBH) e.V., die Gesellschaft für Tierverhaltensmedizin und -therapie (GTVMT) sowie der Verband der Tierpsychologen und Tiertrainer e. V. (VdTT) vereinen mehr als 1.500 professionell arbeitende Hundetrainer, Hundeerzieher, Verhaltensberater, Tierärzte und Biologen sowie bundesweit mehr als 400 Hundeschulen. Sie engagieren sich für eine permanente Fort- und Weiterbildung ihrer Mitglieder auf der Grundlage neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse. Außerdem setzen sie sich für eine einheitliche Ausbildung von Hundetrainern ein, die ohne Gewalt arbeiten.

Foto: pixelio.de/ Bernd Stelzl